Inselglück

„Oh, Tiger“, sagte der Bär, „wie schön ist es doch am Meer!“ –  „Da hast du recht“, sagte der Tiger, „dann lass uns sofort dorthin fahren. Ein verlängertes Wochenende wie dieses wäre doch perfekt dafür geeignet.“

„Mist“, sagte der Bär „alles ausgebucht.“

Und so beginnt die kleine Geschichte vom Inselglück mit einem Zufall und einer gar nicht allzu langen Fahrt in Richtung Holland.

Denn als der Tiger bemerkte, wie traurig der Bär darüber war, dass sein Traum vom Meer platzen sollte, durchsuchte er kurzerhand alle Hotelportale – und wurde tatsächlich noch fündig. Der Bär war schwer beeindruckt von seinem Tiger, und so machten sich die beiden im vollbepackten Auto auf den Weg zu der kleinen Insel namens „Kaag“ auf dem holländischen Festland. Insgeheim aber hatte der Bär seine Zweifel — bei einem Zwei-Sterne-Hotel mit dem fragwürdigen Namen „Orion“, der sich mehr nach einer Pornofirma anhörte als nach einem entspannten Wochenende voller Zweisamkeit zwischen Tiger und Bär. Aber alle Bedenken lösten sich ganz schnell in Luft auf, als die beiden an der Autofähre ankamen – die einzige Möglichkeit, auf die Insel zu kommen außer zu schwimmen. Für eine Hin- und Rückfahrt mussten Bär und Tiger 4,50 Euro berappen, dafür wurde ihnen aber versprochen, dass sie zu jeder Tag- und Nachtzeit hin und her gebracht würden.

 

 

 

 

Das Hotel Orion, das einzige auf dem Inselchen, war einfach und klein, aber sehr hübsch und (was der Bär sehr schätzte) sauber. Die Gastgeber waren entgegen aller Vorahnungen keine Pornofilm-Produzenten, sondern sehr nette Leute. Schon auf einer ersten Erkundungstour über die (sehr kleine) Insel mit ihren hübschen Häuschen wussten Tiger und Bär: „Hier gefällt es uns“. Auf der Terrasse im „Restaurant `t Kompas“ direkt am Wasser schlürften beide ein leckeres Kaltgetränk und sahen der Sonne zu, wie sie langsam im See unterging.

 

 

 

 

 

 

Weil der Bär aber doch so gern ans Meer wollte und das Meer von der Insel aus auch nur wenige Kilometer entfernt ist, lohnte sich am nächsten Tag ein Abstecher nach Zandvoort. An dem langen, langen Strand fand sich selbst an diesem ausgebuchten Wochenende ein Plätzchen für Tiger und Bär, um sich den Pelz in der Sonne zu wärmen und die Pfoten ins kalte Wasser zu strecken. Weils aber auf der „Heimatinsel“ viel schöner war, blieben die beiden nicht lang.

Was der Bär aber noch viel lieber mag als das Meer, das ist Shopping. Gut, dass die wunderschöne Stadt Amsterdam auch nicht weit von der Insel entfernt ist und gut, dass der Bär so einen großen Koffer hat. In den Straßen von Amsterdam gibt es die herrlichsten Läden, und der Tiger kann auch ganz gemütlich in einem der kleinen Straßencafés warten und sich mit Pannekoeken vollstopfen, wenn ihm schon die Pfoten wehtun, der Bär aber noch dringend ein Sommeroutfit sucht.

 

 

 

 

 

„Schade, Tiger“, sagte der Bär, „jetzt müssen wir bald schon wieder heim.“ Aber der kluge Tiger hatte noch eine prima Idee: „Wie wär´s mit einer kleinen Fahrt mit dem Bötchen? Immerhin sind wir doch auf einer Insel.“ Gesagt, getan: Weil es auf dem Inselchen Kaag tatsächlich drei Bootsverleihe gibt, wurden Tiger und Bär schnell fündig und mieteten sich ein Motorbötchen. Der Bär war natürlich der Käpt’n, aber der Tiger durfte auch mal fahren, weil er so traurig guckte, aber nur ein kleines Stück. Obwohl man hier den ganzen Tag damit verbringen könnte, um die Insel herumzufahren, mussten Tiger und Bär auch irgendwann wieder nach Hause.

„Oh, Tiger“, sagte der Bär, „das war schön!“ – „Ja“, sagte der Tiger, „das machen wir bald wieder.“

 

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