Namasté

Dass mein flotter Lebensstil nicht spurlos an mir vorübergeht, das hatte ich mir insgeheim schon gedacht, aber dass mein Körper irgendwann einfach von selbst die Reißleine zieht – damit hatte ich nicht gerechnet. Aber genauso ist es mir Anfang dieses Jahres ergangen. Auf einmal konnte ich meine rechte Gesichtshälfte nicht mehr bewegen. Diagnose: Fazialisparese, Ursache: unbekannt. Keine Sorge: nix Schlimmes. Nachdem ich ein paar Tage im Krankenhaus auf den Kopf gestellt wurde, fragt mich der Arzt beiläufig: „Haben sie viel Stress…? Ein paar Tage Cortison, alles wieder weg, alles halb so schlimm. Bis auf die Frage: Hab ich mir selbst zu viel aufgebürdet? Welche Signale habe ich übersehen? Hinter was genau hetze ich ständig hinterher? Warum sind mir, im wahrsten Sinne des Wortes, die Gesichtszüge entgleist?

Die entscheidende Erkenntnis ist, dass ich besser auf mich aufpassen und mir hin und wieder etwas Gutes tun muss. Yoga oder so. Doch genau da ist der Haken: wieder „etwas tun müssen“? Noch ein wöchentlicher Termin im Kalender?

Durch Zufall bin ich auf die Outdooryogis gestoßen und habe es ausprobiert. Die Idee fand ich super: ohne Jahresvertrag, ohne Bindungszwang, einfach nach Lust und Laune zusammenkommen und entspannen. Yogalehrerin Madeleine reist umher und gibt wunderbare Yogastunden, draußen, auf der Dachterrasse, auf der Wiese, wo auch immer.

Bei herrlichem Sonnenschein kommen wir zur Ruhe, während wir entspannt auf dem Rücken liegen. Es geht darum, seinen Körper spüren zu lernen. Mit sanfter Stimme erklärt uns Madeleine die sieben Chakren im Körper. Zugegeben, bei der Aufforderung, gewisse Partien in der unteren Körperhälfte anzuspannen, bin ich kurz raus – aber gut, wenn da die Chakren nun mal sitzen: Was soll´s? Und während ich mich einlasse, merke ich, wie die Anspannung abfällt. Nach der Entspannung kommt die Arbeit. Madeleine zeigt uns verschiedene Yogaübungen mit klangvollen Namen wie „Der Sonnengruß“, „Der Krieger“ oder „Der Baum“. Während mich „Der Frosch“ noch leicht überfordert (der zieht ganz schön in den Schenkeln), merke ich, dass Yoga auch anstrengend sein kann. Die Atmung spielt eine große Rolle. Wieder heißt es, den Körper spüren, im Hier und Jetzt sein, einfach „sein“. Klingt wunderbar und fühlt sich auch so an, vor allem beim Shavasana, nach der getanen Arbeit.

Nachher sitzen wir noch bei einem Stück Wassermelone zusammen und „spüren nach“ – zwei Stunden später hat mich der Alltag wieder fest im Griff. Aber ein Stückchen Ruhe möchte ich mir bewahren. Als etwas Besonderes, das ich für mich getan habe und gern wiederholen werde, sobald die Welle wieder anschwappt und mich zu überspülen droht. Genau dann nehme ich mir die Zeit. Soll das Anforderungskarussell doch dann einfach ein paar Runden ohne mich weiterfahren.

2 Kommentare

  1. Ein wunderschöner Text liebe Anna und so schön, dass ich die Achterbahn Deines Lebens für einen kleinen, feinen und winzigen Moment anhalten könnte. Aber genau darum geht es doch…wir alle tragen tagtäglich unseren Rucksack mit all unseren Themen mit uns herum und ohne Anforderungen könnten wir das Leben auch nicht meistern. Aber sich bewusst Auszeiten zu schaffen, den Rucksack einmal abzulegen und in sich hinein zu spüren….das ist die Kunst!
    Und es kann jeder vorbeikommen denn alles steckt bereits in einem, man muss nur den Mut haben sich selbst zu entdecken, denn auch Selbstbegegnung kann überraschende Erkenntnisse bringen;-)
    Ich freue mich sehr auf unsere nächste Begegnung bei Outdooryogis um die magische Verbindung zwischen Dir, der Welt und dem ganzen Universum zu spüren?Namasté Madeleine

    1. ❤️Du hast so Recht und ich hoffe, das der ein oder andere durch den Text, oder besser noch in einer deiner Stunden eine kleine Inspiration findet um das Leben für einen Moment wieder ein bisschen leichter und schöner zu machen! Ich freue mich auch schon sehr auf das nächste Mal ? ?

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